Papst Benedikt XVI twittert. Seit heute ist es soweit. Der Papst drückt die Enter Taste.
Es ist der 12.12.2012, zwanzig nach 12 Uhr. Dreifach hat der Papst nun getwittert. Wenige Stunden zuvor habe ich in der Zeitung gelesen, dass die Chinesen wie wild Weihnachten feiern. Weihnachtsschmuck ist in China hip, cool, trendy. Weihnachten ist den Chinesen Popkultur. Und irgendwie hat Weihnachten ja auch etwas mit dem Papst zu tun. Aber wer bin ich, dem Papst Tipps zu geben? Soll er doch selber mit den Chinesen klar kommen. Dennoch habe auch ich meine Papst-Geschichte:
Es begab sich vor vier Tagen, dass wir, ohne, dass wir etwas Schlimmes getan hätten, auf den Papst treffen sollten. Wir waren in Rom, es war die Zeit der Feierlichkeiten zu Mariä Empfängnis und rund um die Marienstatue an der spanischen Treppe war gläubiges Gedränge. Würden- und Habitträger froren, Carabinieri posierten, Japaner fotografierten. Wir gingen, bevor der Papst kam.
Wir wussten nicht einmal, dass er kommen würde. Wir wollten einfach unsere Touristentour fortsetzen ohne zu erfrieren, ohne erdrückt, erschlagen oder bekehrt zu werden. Stunden und viele Sehenswürdigkeiten später verließen wir den Vatikan, gerade, als der Papst nach getaner Predigt dorthin zurück kehren sollte.
Zuvor hatten wir die geduldigen oder tauben, jedenfalls steinernen Engel dem uninspirierten Krach auf der Ponte Sant'Angelo lauschen sehen. Zwei Musiker spielten unaufhörlich Stairway to Heaven als gäbe es kein anderes Lied und ein paar Meter weiter trommelte ein Verrückter auf Eimern und Plastikkanistern. Ein Schild offenbarte, dass er Geld für ein richtiges Schlagzeug sammle. Friede sei mit ihm. Dazwischen desillusionierte Kleinkram-Verkäufer die nur hin und wieder durch müdes Gegeneinanderschlagen ihrer Waren auf sich aufmerksam machten. Die Engel in ihrer Schönheit schienen ratlos. Am Ende setzt sich das Hässliche durch. Wir gingen zum Petersdom.
Zuvor hatten wir die geduldigen oder tauben, jedenfalls steinernen Engel dem uninspirierten Krach auf der Ponte Sant'Angelo lauschen sehen. Zwei Musiker spielten unaufhörlich Stairway to Heaven als gäbe es kein anderes Lied und ein paar Meter weiter trommelte ein Verrückter auf Eimern und Plastikkanistern. Ein Schild offenbarte, dass er Geld für ein richtiges Schlagzeug sammle. Friede sei mit ihm. Dazwischen desillusionierte Kleinkram-Verkäufer die nur hin und wieder durch müdes Gegeneinanderschlagen ihrer Waren auf sich aufmerksam machten. Die Engel in ihrer Schönheit schienen ratlos. Am Ende setzt sich das Hässliche durch. Wir gingen zum Petersdom.
Pracht, Größe, Erhabenheit. Alles ist auf Eindruck gemacht. Staunen auf dem Domplatz, Stille im Dom. Tote Päpste in Stein blicken herunter auf das Volk. Menschen beten am Grab des seligen JPII und Michelangelos Maria hält ihren toten Sohn im Arm. Größe und Macht und eine direkte Verbindung zu all dem, was der Mensch sich nicht erklären kann, werden hier demonstriert. Und als wir draußen sind und gerade laut ausrufen möchten, was die Kirche sich nicht erklären kann – „Hoch lebe die Homosexualität, die wilde Ehe und das Kondom!“ –, da hören wir lautes Hupen und die Straße öffnet sich wie weiland das Meer in Ägypten. Die Engel an der Engelsburg jauchzen, aber man kann sie nicht hören, weil in einer gesperrten Zufahrtstraße ein Krankenwagen die Sirene heulen lässt. Und dann erscheint er auf der Brücke:
Der alte Mann, in weiß gekleidet, greise den hupenden Autofahrern winkend. In absurder Geschwindigkeit rauscht er im neuen Papamobil vorbei. Ein Kondensstreifen seiner Heiligkeit bleibt hängen in der Luft.
Die Polizisten geben die Straßen frei und der Krankenwagen gibt Gas. Irgendwo ist was passiert.
Die Polizisten geben die Straßen frei und der Krankenwagen gibt Gas. Irgendwo ist was passiert.
Nachtrag am Abend:
Der Papst twittert unbeirrt weiter.
